KI kann nun reCAPTCHA-Tests genauso genau lösen wie Sie.
KI besteht zwar nicht jeden Test, aber sie ist gut genug, um überzeugend menschlich zu wirken. Sicherheitsexperten behaupten, der Fortschritt der KI sei keine große Sache. Hier ist der Grund dafür.
Die Zeit ist gekommen: Künstliche Intelligenz (KI) kann nun reCAPTCHAv2-Tests lösen - jene Bilderkennungsaufgaben, die während des Surfens als Prüfung auftauchen, um sicherzustellen, dass man kein Bot ist. Dabei löst die KI diese Tests genauso genau wie ein Mensch.
Forscher von der ETH Zürich in der Schweiz haben ein KI-Modell darauf trainiert, die Bildaufgaben von Google’s reCAPTCHAv2 zu lösen. Das Modell - benannt YOLO nach dem Prinzip „You Only Look Once“ - wurde anhand von Bildern trainiert, die typische reCAPTCHA-Motive zeigen, also hauptsächlich Straßenfahrzeuge, Verkehrsampeln sowie andere dazu gehörige Umgebungsobjekte.
Die besondere Beschaffenheit des Datensatzes ermöglichte es YOLO, sich leicht durchzusetzen - und letztendlich alle Tests zu 100 Prozent zu bestehen. Zur Veranschaulichung merkten die Forscher an: „Frühere Versuche führten lediglich zu einer Erfolgsrate von ‚68 bis 71 Prozent‘ bei der Lösung von CAPTCHAs.“
Diese Punktzahl bedeutet nicht, dass die KI alle Tests richtig gelöst hat, sondern vielmehr, dass sie jedes Mal eine Genauigkeit erreichte, die überzeugend menschlich wirkt.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es keinen signifikanten Unterschied in der Anzahl der Herausforderungen gibt, die Menschen und Bots bewältigen müssen, um die Captchas in reCAPTCHAv2 zu lösen“, lautet das Fazit des Berichts.
Während CAPTCHA - die Abkürzung steht für „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“ - von Nutzern verlangt, veränderte oder beschädigte Buchstaben und Wörter zu erkennen, verlangt reCAPTCHA oft, dass Nutzer Bilder identifizieren und kategorisieren.
Andere Arten von reCAPTCHA-Tests verwenden aus der Realität entnommene Fotos von Texten - diese sind für Computer schwieriger zu entschlüsseln als echter Text. Zudem gibt es einfache Checkbox-Fragen, bei denen der Nutzer bestätigen muss, dass er kein Robot ist. Außerderdem werden unsichtbare Tracker eingesetzt, die anhand von dynamischen Daten wie Klickgeschwindigkeit und Cursorbewegungen feststellen können, ob es sich um einen Menschen handelt.
Was bedeutet also diese neue KI-Forschung?
Dies ist in erster Linie ein Sicherheitsproblem für alle Webseiten, die auf CAPTCHA und reCAPTCHA angewiesen sind - Tools, die dazu entwickelt wurden, Spam, Content-Scraper sowie andere böswillige Akteure zu verhindern. Obwohl CAPTCHAs bereits vor den Tests von YOLO fehleranfällig waren, werden sie angesichts der fortschrittlichen Fähigkeiten heutiger KI-Modelle immer leichter zu knacken sein. Manche glauben, dass CAPTCHAs für Menschen einfach schwieriger werden müssen - was die bestehenden Zugänglichkeitsprobleme für Sehbehinderte bei diesen Tests noch verschärfen könnte.
Es gibt jedoch noch andere Methoden, um Bot- und menschliche Aktivitäten voneinander zu unterscheiden. Man geht davon aus, dass Google „Device Fingerprinting“ verwendet - dabei werden Software- und Hardware-Daten erfasst, die Geräte mit eindeutigen Identifikatoren versehen. Zusätzlich setzt Google auch Tools wie CAPTCHA ein. Apples „Private Access Tokens“, die mit iOS 16 eingeführt wurden, dienen ebenfalls als Alternative zu CAPTCHA.
Doch die Verantwortlichen für die Sicherheitsprüfungen scheinen von dieser Entwicklung nicht allzu sehr beunruhigt zu sein. „Wir legen großen Wert darauf, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Nutzer zu schützen - ohne dabei visuelle Herausforderungen zu schaffen. Deswegen haben wir im Jahr 2018 reCAPTCHA v3 eingeführt“, sagte ein Sprecher von Google Cloud gegenüber New Scientist. Bezugnehmend auf Verfahren zur Verhaltensüberwachung wie die Bewegung des Cursors fügte er hinzu: „Heute sind die meisten Schutzmaßnahmen von reCAPTCHA auf 7 Millionen Websites weltweit völlig unsichtbar.“
